Markus Orths

Blick ins Buch

Dort steht sie. Ihr leuchtender Schopf ist unverkennbar. Seit etlichen Jahren gefärbt: ein matt-helles Henna. Ihre vom Wind zerzauste Dauerwelle wirkt wie ein oranger, fluffiger Blumenkohl. Dort steht sie. Dort steht Mutter. Sie trägt weder Handtasche noch Schirm, obwohl graue Wolken Regen ankündigen, nein, sie steht einfach da, in ihrem runden, gemütlichen, achtzigjährigen Körper ...

Verlagsvorschau:

"Auf einmal spüre ich ein freudiges Glucksen, tief unten, im Magen: Tante Erna ist tot, lebt aber noch, und in ein paar Stunden werde ich nach langer Zeit endlich Sibille wiedersehen."

Alles hat ein Ende – oder?

Nächster Halt: Niederkrüchten. Kaum ist Benno Storch aus dem Bus gestiegen, spürt er wieder diese Heimatzähe. Hier bei seinen alten Eltern hat sich kaum etwas verändert. Auch die beste Freundin seiner Mutter, Klärchen, wohnt noch nebenan, mit ihrer schlecht gelaunten, 99-jährigen Tante Erna. Klärchen beklagt sich bei Benno, wie selten ihre eigene Tochter Sibille sich zuhause blicken lässt. Und schon fasst sie einen heiklen Plan: Sie ruft ihre Tochter an und behauptet, Tante Erna sei gestorben. So ein Begräbnis ist ja eine große Sache. Wer kann da schon Nein sagen … Und so entspinnt sich ein irrwitziges Wochenende, das so schnell keiner wieder vergessen wird.

Pressestimmen:

Dieser Roman rührt zu Tränen. Zu Lachtränen, wohlgemerkt. ... Eine Geschichte, die so herrlich skurril ist, dass das Lesen zu einer Achterbahnfahrt des Lachens wird. ... Von der ersten Seite an schließt man die Figuren ins Herz. Rheinische Post, 11.10.2022

Markus Orths hat das Talent, schwere Themen leicht daher kommen zu lassen. Und dabei erzählt er das Ganze so herzerwärmend und so komisch, dass die 150 Seiten in einem Rutsch durchgelesen sind. Sehr zu empfehlen: das Hörbuch. Denn mit Bjarne Mädel liest genau der richtige Schauspieler diesen Text. Ein absoluter Glücksfall! NDR Kultur, 01.07.2022

Was zunächst nach einem Plot für eine reine Unterhaltungsserie aussieht, entwickelt sich zu einer gelungenen schwarzen Komödie mit Tiefgang. ... Der Schauspieler Bjarne Mädel interpretiert dieses Hörbuch genial. Er trifft den skurril-schrägen, zuweilen klamaukigen Ton genauso überzeugend wie den nachdenklichen. Gleichzeitig passt seine Bassstimme zum herzerwärmenden Stil der Geschichte. ... Der Romantitel "Ewig währt am längsten" ist ein Zitat von Kurt Schwitters. Das schräge Spiel mit dem Ende des Lebens ist allgegenwärtig. Das Komische und das Tragische liegen bei Markus Orths nah beieinander. Er beleuchtet auch das gehemmte und zugleich innige Verhältnisse zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern. Und so passt erneut ein Kurt Schwitters-Zitat als Résumée: "Ein Spiel mit ernsten Problemen, das ist Kunst." Wir können uns auf die Fortsetzung freuen! BR Diwan, 10.07.2022

Die Dinge laufen anders als vermutet, und ein wunderbar verrückter Tag beginnt. Markus Orths entwirft eine rasante Geschichte rund um die totgesagte Tante. Ein Spagat zwischen lustiger Erzählung und melancholischem Schwelgen in Erinnerungen. Ein echter Gewinn für das Hörbuch Ewig währt am längsten - Tante Ernas letzter Tanz ist Schauspieler und Regisseur Bjarne Mädel, der diese Geschichte voller Überraschungen herrlich unaufgeregt vorträgt und ihr damit eine ganz besondere Note verleiht. Ob auf der Autofahrt in den Urlaub, gemütlich im Garten liegend oder am Strand: Das Vergnügen ist garantiert. WDR 5, 11.07.2022

»Vor allem werden Geschichten erzählt, […] vom Bestatter Magolei, der 99jährigen Tante Erna, […] von Pastor Kasper, der weiß, was Jesus und Winnetou gemeinsam haben. Schauspieler Bjarne Mädel ist eine Idealbesetzung, hat hörbar Spaß an Situationskomik und liebenswert-schrägen Figuren. Dabei setzt er nicht nur punktgenau Pointen, sondern gestaltet auch sehr intime, anrührende Gedanken über Kinder und Eltern.« WDR 5 Bücher, 12.07.2022

»Markus Orths reist in ein kleines Dorf in Nordrhein-Westfalen, überquert von dort den Jordan, fährt den Fluss Styx hinunter, beißt in Walhalla ins Gras und stellt dabei fest, dass es nicht so bitter schmeckt wie man befürchtet. Ein ermutigendes, ein gescheites und lustiges, vor allem aber ein charmantes Hörbuch.« Radio Bremen Zwei, 13.07.2022

»Bjarne Mädel ist hier das i-Tüpfelchen, das das kurze, aber witzige Hörbuch zu etwas Besonderem macht. Sein trockener Humor passt herrlich zu dem Roman und seinen Figuren und diese Kombination ist eine gefährliche für die Lachmuskeln!« Ratgeber Frau und Familie, 29.07.2022 

Während man Seite für Seite liest - mal laut lachend, mal nachdenklich, mal etwas Schwermut verspürend - entwickelt der Roman eine unfassbare Warmherzigkeit, die nur schwer zu erklären ist. ... Die unzähligen „niederrheinischen“ Dialoge erinnern in ihrer Art und Eloquenz an den Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch Aber der Roman ist nicht nur heiter, sondern stimmt auch nachdenklich. Diese ruhigen, stillen Momente, auch wenn Vater und Sohn nachts gemeinsam am Tisch sitzen, gehen unter die Haut. ...  Markus Orths beschwört einen Teil verlorener, aber unvergesslicher und liebenswerter Heimat herauf. Etwas, was einen nicht mehr loslässt, weil es Teil von einem ist. Ein Roman, der einen mitnimmt und mitreißt. Und der Erinnerungen und Gefühle weckt, die lange nachhallen. Belletristik-Couch, Juli 2022

Ein Hörgenuss voller Witz und Wehmut. Kronenzeitung, 06.09.2023

Man wird auf schmalen 160 Seiten bestens unterhalten. Nürnberger Nachrichten, 07.08.2022

 

Interview

Tante Ernas letzter Tanz ist der Auftakt einer Reihe, die in Niederkrüchten spielt: in einem verschlafenen Nest am Niederrhein. Was verbindest Du mit dieser Landschaft im Besonderen und generell mit der Provinz?

Ich bin am Niederrhein aufgewachsen. In Viersen. Es ist und bleibt meine Heimat. Zum einen schätze ich die offene Direktheit und den (schwarzen) Humor der Menschen dort. Zum anderen scheint mir aber auch gerade in der "Provinz" einiges enger zu sein im Vergleich zum Leben in der Stadt.

Bekannt bist Du vor allem als literarischer Autor, Satiriker und aus dem Kinderbuch. Warum jetzt eine Komödie? 

Ich liebe es, Neues auszuprobieren. Die Satiren sind zugespitzter und bissiger. Laut einer schönen Definition sind sie "oft Ausdruck einer auf Vernichtung des Objektes zielenden literarischen Aggression, die den Entwurf eines positiven Gegenbildes ablehnt." Wie bei Lehrerzimmer (Schule) und Hirngespinste (Literaturbetrieb). Das Lachen soll herausplatzen und zugleich im Halse stecken bleiben. Die Komödie dagegen ist milder, hat Augenblicke der Ruhe und Ernsthaftigkeit, eine zweite Ebene, in der es auch berührende Szenen geben darf. Das Lachen ist weniger aggressiv, kein Lachen über, sondern ein Lachen mit. Bei beiden Formen lacht man wohl, weil man das Erzählte wiedererkennt.

Ewig währt am längsten lebt auch von den Figuren, allen voran Mutter Irma, die ohne Punkt und Komma redet, ohne je den Faden zu verlieren. Wer oder was hat Dich zu dieser ganz besonderen Frauenfigur inspiriert? 

Meine Großmutter Elisabeth Rosalie Orths, geborene Herwagen. Ich habe sie sehr geliebt. Sie konnte stundenlang und ohne Pause erzählen. Einmal habe ich sie aufgenommen auf Kassette, als Kind. Die Kassette habe ich heute noch und halte sie in Ehren. Ich glaube, ich habe von ihr das Erzählen gelernt, allein durchs Zuhören. Auf jeden Fall das "Abschweifen".

Ein Thema Deiner Reihe, das mit Irma eng verbunden ist, ist das des Redens und Zuhörens. Niederkrüchten hat einen unnachahmlichen, eigenen Sound. Welche Bedeutung hat Mundart für Dich? 

Ich bin mit Mundart aufgewachsen, meine Großmutter sprach Dialekt, außer, wenn sie plötzlich ernst wurde, dann konnte sie astreines Hochdeutsch sprechen. Der Dialekt hat etwas Weiches, Anheimelndes, lautmalerische Ausdrücke oder treffendere Wörter als das Hochdeutsch. Ein "fieser Möpp" klingt ganz anders als "ein unangenehmer Kerl". Ich selber kann leider keinen Dialekt sprechen, mag aber Mundartdichter wie  Harald Hurst oder Helmut Haberkamm. Das wird - wie auch die Komödie - völlig unterschätzt in unserem Land.

What comes next: Bitte gib einen kleinen Ausblick auf Band 2!

Oh. Da hat Pastor Kasper seinen große Auftritt am Altar. Er revoltiert Ahab-gleich gegen Gott. Das hat seine Gründe und wächst sich aus zur Parodie einer Kriminalgeschichte. Irma und Klärchen ermitteln. Es gibt auch eine groteske Beerdigung. Und: Der Erzähler Benno Storch (oh, fast ein Anagramm zu Orths) und seine Sandkastenfreundin Sibille kommen sich näher. Wie im ersten Teil soll das Komische und Tragische Hand in Hand gehen: Es sind ohnehin zwei Seiten derselben Medaille: Das Komische ist der Versuch, jedweder Tragik ein Schnippchen zu schlagen.